Kirchen - Martinshöhe

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Kirchen

Geschichte

Katholische Pfarrkirchen von Martinshöhe

Die erste Martinshöher Kirche

Die Geschichte der ersten eigenen Martinshöher Kirche begann am 28.10.1746. Ein Bittgesuch der Martinshöher
an den Grafen von Sickingen fand Gehör, woraufhin der Errichtung einer eigenen Kapelle zugestimmt wurde.
Binnen eines Jahres wurde 1750 die kleine Kirche inmitten des damaligen Ortes an der heutigen Zweibrücker
Straße (an der Straßenkreuzung in Richtung Schernau) fertiggestellt. Zur eigenen Pfarrei wurde Martinshöhe
erst im Jahr 1778 ernannt.

Die Innenausstattung der knapp 18 m langen Kapelle war spärlich. Lediglich ein Leinölgemälde befand sich hinter
dem Altar. Hundert  Jahre später war der offene, holzverschachtelte Dachraum marode und wurde undicht, so
dass die Martinshöher Katholiken bei Regen in der Kirche ihre Schirme aufspannen mussten. Die renovierungs-
bedürftige Kirche verfügte über zu wenige Sitzplätze für die wachsende Bevölkerung im Ort. Die Martinshöher
wünschten sich deshalb ein neues Gotteshaus.

Im Jahr 1907 wurde das Gebäude an Adam Theis verkauft, der den sakralen Bau in ein Wohnhaus mit Verkaufs-
raum umbaute. Noch heute erinnert ein Kreuz neben dem Gebäude an das damalige Gotteshaus.

Die neue Martinshöher Kirche St. Martinus
Der nun 111 Jahre alte sakrale Bau, der volkstümlich auch der Dom der Sickinger Höhe genannt  wird, soll im
Folgenden mit seinen Besonderheiten kurz vorgestellt werden.
Der gewölbte Saalbau in den historistischen Formen des spätromanisch-frühgotischen Übergangsstils wurde
1901-1907 nach Plänen des Karlsruher Architekten Gustav Ziegler errichtet. Die bauzeitliche Ausstattung, neu-
romanisch mit Jugendstilelementen, ist nahezu vollständig erhalten, u. a. fein geschnitzte Kirchenbänke.  Beide
Kapitäle haben eine romanische Wurzelform. Der Löwe und die Gans, die an der Kirchenfront zu sehen sind,
sollen an die Geschlechterrolle des 20. Jahrhunderts erinnern. Das Martinsbild über der Tür wurde einige Jahre
nach dem Kirchenbau von der KAB 1921 gestiftet (2,35m hoch, 1,65 breit und 120 Zentner schwer!).
Mit viel Eigenleistung der Martinshöher BürgerInnen war der Rohbau innerhalb 2 ½ Jahren fertiggestellt.
Martinshöher Fuhrwerksbesitzer zeigten großes Engagement und übernahmen insgesamt 2909 Steinfuhren, 918
Sandfuhren, 538 Fahrten nach auswärts um Steine, Sand, Kalk, Zement, Holz, Eisen und Gerüste heranzuschaffen.
Die anderen BürgerInnen, die keine Fuhrwerke besaßen, halfen beim Sandgraben, Kalkablöschen, Wegebau etc.,
wodurch insgesamt 30.000 Mark gespart werden konnten.

Das Allerheiligste der alten Kirche wurde bei der Benediktion der Kirche am 03.07.1904 in das neue Gotteshaus
gebracht. Die Konsekration der Kirche durch Bischof Busch fand erst drei Jahre später, am 19.07.1907 statt.

Die Kirchenfenster
Die Fenster der Kirche wurden zum größten Teil von der Königlich Bayrischen Hofglasmalerei Franz Xaver Zettler
in München hergestellt. Die Fenster des Chores zeigen Darstellungen, die auf die Feier der Eucharistie hinweisen.
Auf dem linken Fenster bitten die Jünger von Emmaus den Herrn: „Bleibe bei uns, denn es wird bald Abend“
(Lk, 24,29). Auf der rechten Darstellung sitzen die Jünger mit Jesu am Tisch und erkennen ihn als er das Brot
bricht (Lk24,30f.). Die übrigen Fenster stellen die wichtigsten Statuspassagen des  Kirchenpatrons St. Martin dar:
Abschied vom Heer, Mantelteilung, Taufe und die Todesszene. Ein weiteres Fenster zeigte ursprünglich den heiligen
Martin bei seiner Bischofsweihe. Dieses Fenster wurde durch ein blaues, abstrakt gehaltenes Fenster ersetzt, welches
das Wirken von Martin als Bischof darstellen soll.

Der Hochaltar
Der Flügelaltar im Chorraum symbolisiert Christus und ist der Mittelpunkt der Kirche. In der Mitte des Aufbaus
enthält der Altar ein Tabernakel  mit zwei Vögeln, die auf den Himmel hindeuten. Beide Reliefs auf den Flügel des
Altars zeigen die Empfängnis Maria und die Geburt Jesu. Die äußeren Abbildungen zeigen rechts St. Martin und
links den Heiligen Remigius. Auf der Rückseite der Flügel sind die heiligen Herzen Jesu und Marias abgebildet (vom
5. Fastensonntag bis Karfreitag zu sehen). Im Unterbau des Altars werden die alttestamentlichen Opfer des Abel,
Abraham und Melchisedek abgebildet. Auf der Rückseite des Altars wurde ein Teil des Altars der alten Kirche eingelassen.

Mussiwischer Boden
Bis in das Jahr 1973 war die Kirche mit Mosaikböden bestückt. Heute kann man diese handwerkliche Kunst nur noch im
Vorraum der Kirche bewundern.  Der Mosaikboden wurde  1903-1904 nach den Plänen des damaligen Pfarrers Fridolin
Schuler von 6 Italienern, die für das Zementgeschäft Sacrinelli in Landstuhl arbeiteten, gelegt. Sie erboten sich, über
Winter, statt in die Heimat nach Oberitalien zu reisen, in Martinshöhe zu bleiben und unentgeltlich für Kost und Logis den
Mosaikboden in der neuen Kirche zu schaffen. Die Marmorsteine und –stifte stammen aus Rom von der Marmorsägemühle
neben dem Platz der Peterskirche.

Der bemalte Chorbogen
Die ab Juli 1937 von Pater Tutilo aus der Benediktinerabtei Beuron,  Benedict Gröner aus München und der Elisabeth
Wolf aus Rheinzabern gefertigten Malereien des Chorbogens der Kirche sollen die vollkommene geistliche und leibliche
Barmherzigkeit darstellen.
Viele Martinshöher Bürger sind auf diesem Gemälde verewigt. Abgebildet neben Christus in der Mitte sind linkerseits etwa
der Barmherzige Samariter mit der Krankenschwester, Bruder Konrad als Brotverteiler, Hl. Benedikt als Wegweiser zum
Himmel, Hl. Petrus im Schiff, der Erbauer der Kirche Fridolin Schuler mit dem alten Kirche zu seinen Füßen, sein Nachfolger
Pfarrer Glaser, der erste Vorsitzende der KAB Nikolaus Theis und der Arzt der Martinshöher Dr. Kassel. Auf der rechten
Epistelseite mäht Schnitter Tod die Sünder in die Hölle hinein. Als Abschluss auf dieser Seite bewacht der Erzengel das
Grab Moses, dem der Teufel nichts anhaben kann.
Weitere Malereien der Kirche wurden überstrichen und sind nicht mehr zu erkennen.

Der Kreuzweg
Die 14 Kreuzwegstationen wurden von dem Würzburger Bildhauer Heinz Schiestl im Jahr 1937 hergestellt und am 19.02.1939
geweiht. Neuerdings gibt es eine 15. Station, auf der Maria Magdalena am leeren Grab gezeigt wird (von Manfred Schöndorf
aus Ottweiler, gestiftet von KAB Martinshöhe).

Quelle: Kultur-u. Heimatverein Martinshöhe e.V.



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